Die Werke auf den Punkt gebracht

Hier finden Sie die rund fünfzig Werke der Studenten des Abschlusssemesters 2010 mit Namen, Entstehungjahr, verwendetem Material und wenn Sie Glück haben, sogar mit einem kleinen Text, der erklärt, ergänzt oder umspielt. Viel Freude!

 

...die Anordnung ist Alphabetisch, dem Nachnamen nach...

 


[ A - L ]

 

 

 

 

SARAH CZERNIEJEWKSI

   Sous ta peau (2010)

   Digitale Farbfotografie auf Aluminium

    

 


copyright 2010 Sarah Czerniejewski "Sous ta peau"
copyright 2010 Sarah Czerniejewski "Sous ta peau"

 

 

 

RAFAEL DUDEK

   Allegorie des Augenblicks 2006-2010

   Eitempera / Acryl auf Leinen, Müllsack, Holz, Faden,

   Windmessgerät, Regips, Kreppband, Zeit, Raum, Freude

copyright 2010 Rafael Dudek "Allegorie des Augenblicks"
copyright 2010 Rafael Dudek "Allegorie des Augenblicks"

 

wolkenbildung, vermessung des raumes, land- schaft,

situativer kubismus, möglichkeit, wirk- lichkeit, wie geist

materie verdichtet, frequen- zen, wie materie geist erzeugt,

raum und mate- rie, optik, haptik, kopffüssler,synthetische

erzeugung ästhetischer ahnung, überlagerung von zuständen,

wahrscheinlichkeit, zerfall, problem der isolierung,an-

ordnung = an eine ordnung sich hal- tende verdichtung,

kodierung von brüchen, momentum et supra ager simulacrum,

verhältnis von innen und aussen, denkräume, auflösung, kon-

kretheit, wahrnehmungsfenster, komplexität aller verbindungen

in einem moment, abstraktionsgrade, nah und fern, constable,

ruisadel, cezanne, van gogh, denkräume, widerstand, 30 ms,

mehrschichtige konsistenz, alternationen von alternationen,

zwischenmomente, ordnen, zusammenfügen, sammeln, skizzen,

schneller als licht, langsamer als gedanken, ager et ager

 

 

 

DANIELA EGNER

   Ohne Titel (2010)

   Fotografiearbeiten + Rauminstallation (2010)

   Holzlatten und Teichfolie, Acrylglas, Beamer und PC

   mit Fotografien von 2009 und 2010

Während meiner künstlerischen Arbeit beschäftigten mich unterschiedliche Fragen. So zum Beispiel: Was fasziniert mich an den Spiegelungen und wie möchte ich damit den Betrachter erreichen, wie möchte ich mit ihm spielen, was in ihm anregen? Was geschieht in den Fotografien und wie erfolgt eine Spiegelung? Die Faszination liegt bei der Irritation des Betrachters. Wo stehe ich als Betrachter, wie komme ich ins Bild, was ist real und was Fiktion? Es handelt sich bei den Fotografien zumeist um einen Raum, den ich von innen nie betreten habe und dennoch scheint sich der Betrachter mitten darin zu befinden. Ziel meiner Arbeit war es, dem Betrachter durch die Rauminstallation und Projektion spezieller Fotografien diese möglichst nahe zu bringen und ihn damit als Teil des Geschehens in den Raum einzubeziehen. Er soll Teil der Fläche, des Abbilds und der Irritation werden. Dabei geht es mir um eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Bereichen und darum, mit Wirklichkeit und Illusion zu spielen. Hierbei entsteht beim Betrachter eine Irritation. Mehrere Bildräume und Bildflächen überlagern sich, das Auge hat Schwierigkeiten sie differenziert wahrzunehmen. Es braucht seine Zeit, um die Details zu erkennen. Es scheint wie Sehenswürdigkeiten in der Fotografie zu geben als würde man als Betrachter Neues entdecken. So muss sich der Betrachter die Zeit nehmen und genau hinschauen, um das Bild für sich zu entschlüsseln, sich in den Ebenen zurechtzufinden und die abgebildete, eigentlich vertraute Situation für sich zu rekonstruieren. Die Klärung findet im Einzelfall statt und ist subjektiv anders. Das Bild wird in seine Einzelteile zerlegt und Linien und Flächen nachvollzogen. Versuchen wir Menschen nicht zu häufig uns alles zu erklären und wissenschaftlich zu ergründen? Nur das scheint einen Sinn zu haben, was auch belegbar ist. Doch ist es nicht (künstlerisch) wertvoller, die Dinge auch auf sich beruhen zu lassen? Darum ist es mir wichtig, dass auf den Fotografien auch etwas offen bleibt, dass sich dem Betrachter nicht alles sofort erschließt und dass es die Beschäftigung mit dem Wesentlichen benötigt. Was zunächst banal wirkt, entpuppt sich zu etwas unerwartetem. Rückblickend lässt sich zu meiner Art der Präsentation sagen, dass ich bewusst einen Nicht-Ort gewählt habe (eine Raumecke unterhalb eines Treppenaufgangs im Eingangsbereich), da dieser für mich thematisch zu den Darstellungen in den Fotografien passte. Obwohl sich der besagte Nicht-Ort im Eingangsbereich des Gebäudes befand, konnte ich mit Erstaunen feststellen, dass trotz des, meiner Ansicht nach, „bombastisch“ gestalteten Raumes, eine Vielzahl an Ausstellungsbesuchern daran vorbei liefen und ihn nicht oder wie als zur Treppe gehörig wahrnahmen. Demnach wohl ein gelungener Nicht-Ort. Zu erwähnen ist, dass keine Fotografie nachträglich bearbeitet, sondern im Original präsentiert wurde, so wie das Auge des Künstlers das Bild in dem Moment wahrnahm.

 

 

 

NADINE DE FRIES

   "Spannungshalter und Verbinder“ (2010)

   Rauminstallation mit Spannung, Holzobjekten aus Multiplex,

   Rohrleitungen, Klebeband , Tusche-Zeichnung und Texten

copyright 2010 Nadine de Fries
copyright 2010 Nadine de Fries

 

"...wie der Mensch oft die Maschine nicht versteht,

sprechen auch die Disziplinen unterschiedliche Sprachen

und verstehen bisweilen einander nicht.

Das Resultat ist eine merkwürdige Leerstelle

unmittelbar an der Schnittstelle

da wo die einen aufhören

und die anderen noch nicht begonnen haben."

 

aus: OLTERSDORF – „Über HMI – Versuch einer Definition“



copyright 2010 Nadine de Fries "MenschlicheMaschinerienInteraktionen"
copyright 2010 Nadine de Fries "MenschlicheMaschinerienInteraktionen"

Beschreibung einer Maschine zum experimentellen Beweise

des Theorem vom Parallelogramm der Kräfte


Die hier abgebildete Maschine habe ich in der Absicht ihre Anwendung zu vervollkommnen nach einem Plan ausführen lassen, in welchem der wesentliche Teil ein Parallelogramm mit veränderlichen Dimensionen ist damit man Kräfte von einer großen Zahl verschiedener Verhältnisse vorstellen kann Der Maschinenkörper ist an unterer linker Ecke mit einem Rotationskeil versehen der es ermöglicht die Maschine radial auszurichten und so eine optimale Messung der Zug und Druckmomente zu gewährleisten Zug und Druckspannungen werden durch eine Pfeilspitzenleitung in den oberen Teil des Maschinen-Korpus geleitet Dort werden sie von einem Wechselstrom-Vibrator[rechts ansetzend]in hochfrequente Vibrationswellen übersetzt die im rechten Segment einen leicht irritierbaren Hochkantzapfen in Bewegung setzen Bei Druckspannung wird diese Bewegung entsprechend stärker ausfallen als in Momenten der Zugspannung Der irritierte Zapfen wird in der Fliegenklatschen-Apparatur im rechten unteren Teilbereich einen leichten bis starken Schlagreiz auslösen welcher senkrecht nach unten erfolgen würde und so den zylindrischen Translator[Übersetzter]im Mittelteil aktivieren würde Der Translator ist auf der gesamten Länge mit senkrecht verlaufenden Saiten bespannt deren Eigenart es ist mit stetigem Missklang auf die Schlagreizung der Fliegenklatschen-Apparatur zu reagieren Bei leichtem Schlagreiz wird der Missklang in Dur bei stärkerem Ausschlag in Moll erfolgen Die Klänge würden für eine Reaktion in den Wirbelketten sorgen die zur linken an den Translator angeschlossen sind und die Klangtranslationen an hoch spezialisierte Messapparaturen im linken äußeren Segment übermitteln Diese Messapparaturen zeigen Zugspannungen und Druckspannungen im maschinellen Gefüge mit hundertprozentiger Genauigkeit an Die durch leichte Schläge ausgelösten Missklänge in Dur würden ein Zusammenziehen der Wirbelketten erzeugen infolge dessen die Messwerkzeuge eine Zugspannungskraft errechnen würden Bei Klängen in Moll-Tonarten die durch starke Schläge der Fliegenklatschenapparatur erzeugt werden würden welche wiederum dadurch bedingt wären dass der irritierte Zapfen enorm irritiert vom Wechselstrom- Vibrator und den von ihm erzeugten Vibrationswellen wäre da dieser in diesem Falle einem Druckreiz durch die Pfeilspitzenleitung ausgesetzt sein würde würden die Messwerkzeuge wiederum Druckspannungskräfte anzeigen Da die Maschine durch diese experimentelle Herumspielerei mit emotionalen Kräften Klängen und Trieben zeitweise enormen Belastungen ausgesetzt ist wurde unter dem empfindlichsten Teil dem Translator eine Sprungfeder befestigt die im Falle eines Konfliktes Schleudersitz-artig nach oben schnellen wird und besagten Translator aus dem Spannungsgefüge herauskatapultieren wird Dann wäre die Maschine allerdings nicht mehr zu gebrauchen da sie jeglicher Übersetzungsmöglichkeiten beraubt ihre ihr eigene Triebhaftigkeit nicht mehr verstehen würde und das ständige zerren und drücken innerhalb ihres Systems der maschinellen Logik nicht mehr zugänglich wäre Sie würde wohl innerhalb kürzester Zeit ihr Selbstverständis verlieren und im wahnhaft wabernden Nichts zu Grunde gehen

 

Nadine de Fries, 2009


 

 

 

MELANIE GLASER

   Ohne Titel (2010)

   Farbdrucke

 

 

 

JENNY GÖSCHE

   S/Zieh mich an! (2010)

   Selbstinszenierung

copyright 2010 Jenny Gösche "S/Zieh mich an!"
copyright 2010 Jenny Gösche "S/Zieh mich an!"

 

 

 

VERONIKA HIESINGER

   Stoffwechsel (2009-2010)

   Fotografien, Öl auf Leinwand, Wachs

copyright 2010 Veronika Hiesinger "Stoffwechsel"
copyright 2010 Veronika Hiesinger "Stoffwechsel"

In meiner künstlerischen Arbeit setze ich mich mit dem Thema „Vergänglichkeit“ auseinander.

Eine zentrale Frage, welche mich zu dieser Auseinandersetzung treibt, lautet:

Was bleibt von einer Existenz, wenn sie zu Ende geht?

Es „überleben“ Erinnerungen, Bilder, Gefühle die einen undefinierbaren „Raum“ bilden. Sie verändern sich, verblassen, setzen sich neu zusammen. Sie sind nicht konstant, nicht greifbar, unklar, unkontrollierbar und fragmentiert. Aus dieser Überlegung heraus ergibt sich für mich eine weitere Frage: Wie lässt sich dieser undefinierbare „Raum“ darstellen? Mein Vorgehen in dieser Auseinandersetzung gestaltet sich wie folgt:Ich blicke in einen Spiegel und sehe mich selbst. Somit bin ich mir meiner eigenen Existenz bewusst. In diesem Moment mache ich eine Aufnahme meines Gesichts und halte den Moment fest. Nachdem ich dieses Foto entwickelt habe, übertrage ich die Fotografie auf die Leinwand. Es befindet sich in der gleichen Höhe, wie zuvor der Spiegel. Der Blick richtet sich dem Betrachter zu. Dadurch ist auch er sich seiner Existenz. In einer wochen- bis monatelanger Arbeit trage ich dann mein Gesicht auf die Leinwand auf. Beim Tun hat dies einen ähnlichen Effekt auf mich, wie zuvor mein Blick in den Spiegel hatte: ich bin mir meiner Existenz bewusst. Anschließend, oder auch parallel zum oben beschriebenen Vorgehen, wende ich mich der unteren Bildhälfte zu. Zunächst gehe ich ähnlich vor, wie bereits beschrieben. Ich fotografiere mein Gesicht. Am Computer spiegele ich dieses Foto, dies ist für den weiteren Prozess notwendig. Hierbei wird der festgehaltene Moment bereits verändert, ein Stück von ihm geht „verloren“. Weitere Verluste erlebt das Bild beim anschließenden vergrößern und schwarz/ weiß Kopieren. Der Vorgang des Kopierens ist für das anschließende Abklatschverfahren notwendig. Mit einer Nitrolösung übertrage ich das Portrait auf eine Leinwand. Teile der Kopie gehen verloren, das Portrait ist nun stark fragmentiert. Mein Gesicht entschwinde. Das Verfahren ist unkontrollierbar und unbeeinflussbar. Was geschieht kann kaum gesteuert werden. In diesem Prozess, welcher von Verlusten geprägt ist, sowie auch in dem gestalteten, sichtbaren Ergebnis auf der Leinwand spiegelt sich die Vergänglichkeit der Existenz wieder. Im Gegensatz zu der bereits beschriebenen malerischen Auseinandersetzung, ist dieses Abklatschverfahren schnell abgeschlossen. Und was bleibt nun von dieser einstigen Existenz? Wie schon beschrieben, „überleben“ in Erinnerungen, Bildern und Gefühlen der zurückgebliebenen, existenten Menschen Teile des „Sich- Aufgelösten“, des „Vergangenen“. Doch wie ist dieser „Raum“, in welchem sich die „Überbleibsel“ befinden? Um mich mit diesem „Raum“ näher auseinanderzusetzen treffe ich nun die bewusste Entscheidung, eine zweite Leinwand mit einzubeziehen. Diese kann nicht als eigenständige Arbeit betrachtet werden, denn sie ist eine notwendige Ergänzung zu der bereits entstandenen Leinwand. Die Separierung in zwei Bildträger erscheint mir notwendig, da ich zwei unterschiedliche „Szenen“ sichtbar machen möchte: auf der ersten Leinwand den schon beschriebenen Prozess der Vergänglichkeit und auf der zweiten nun der „Raum“, in welchem sich die „Überbleibsel“ befinden. Dieser „Raum“ ist undefiniert und diffus. Die Gedanken, Bilder und Gefühle zu dem „Vergangenen“ sind weder greifbar noch konstant. Sie befinden sich in einem unendlichen Wandlungsprozess: Teile gehen verloren/entschwinden bis hin zur völligen Auflösung, werden diffus und setzen sich zu neuen Konstrukten zusammen. Dieser Prozess ist weder steur- noch kontrollierbar. Um diesen „Raum“ der „Überbleibsel“ sichtbar zu machen, verwende ich das Material Wachs. Seine äußerst vielseitigen Eigenschaften gestatten mir einen bestmöglichen Ausdruck. Es besteht eine Parallele zwischen dem Wandlungsprozess der Gedanken, Bilder und Gefühle zu dem „Vergangenen“ und der Eigenschaft des Wachses, sich unendlich zu verändern. In meiner Arbeit gehe ich so vor, dass ich das Wachs zunächst schmelze. Anschließend trage ich das Wachs auf die Leinwand auf. Dieser Handlung ist nicht so recht steuerbar, da das Wachs unkontrolliert fließt.

Hierbei wird eine weitere Parallele zu dem „nicht steuer- und kontrollierbaren“ Wandlungsprozess der Bilder- und Gedankenwelt deutlich. Und ebenso wenig, wie man diese „Welt“ greifen kann, kann man auch das flüssige Wachs greifen. Das Entschwinden und verloren gehen dieser „Gedankenwelt“ wird auch nochmals durch den abbröselnden Charakter des aufgetragenen Wachses verdeutlicht. Es ist in seinem aufgetragenen Zustand nicht konstant bleibend, löst sich u.U. so weit ab, dass lediglich Fragmente zurückbleiben. Wenn man nun diese Strukturleinwand betrachtet, wirkt diese diffus und undefiniert. Genauso, wie auch der oben beschriebene Raum diffus und undefiniert ist.

 

 

 

 

 

KATRIN JANSEN 

    

   "Was trägst du auf dem Herzen?" 2010

   haut, stempel

 

   "Was denkst du, was andere über dich denken?" 2010

    haut, stempel, flüssiglatex, projektor

copyright 2010 Katrin Jansen, beide Bilder
copyright 2010 Katrin Jansen, beide Bilder

 

 

intimraum. austausch. selbstreflexion. aufnahme. aussprechen. zeigen. abwaschen. nachhalten.

 

 

Vieles wird nicht ausgesprochen, sondern im innern mitgetragen, im kontakt und der ausstellung werden themen sicht- und reflektierbar.

 

wir alle urteilen in der begegnung mit anderen. fragen wir uns selber, wie andere über uns urteilen, stellen wir uns unseren ängsten und hoffnungen, lassen wahrheit und lüge, selbst- und fremdbild miteinander verschwimmen.

 

 

 

GIANNINA KAMMER

   Ohne Titel (2010)

   Kleid aus Latex-Einweg Handschuhen,

   Liegefläche aus Latex-Trinksaugern, Video

 

 

 

 

 

 

LISBETH KELLER

   How Long Is Now? (2010)

   Fotocollage/Diaprojektion

copyright 2010 Lisbeth Keller "How long is now?"
copyright 2010 Lisbeth Keller "How long is now?"

 

 

 

ELLEN KLEIN

   Ohne Titel (2010)

   Fotografien

copyright 2010 Ellen Klein
copyright 2010 Ellen Klein

 

In meiner Arbeit behandle ich das Thema Oberflächengestaltung. Haut und Struktur als Grenze zum Außen, als Träger von Informationen, als Speichermedium. Bei meinen Untersuchungen stieß ich auf die Pomelo, eine Zitrusfrucht, die erst 1972 aus der Rückkreuzung einer Pampelmuse und einer Grapefruit hervorging. Besonders die Vielschichtigkeit, der komplexe Aufbau sowie das sinnlich haptische Erleben im Verarbeiten dieser Frucht verleiteten mich zu einer intensiven Materialsammlung und -forschung. Vor allem faszinierten mich die Eigenschaften der Pomelo-Häutchen vom Übergang des frischen in den trockenen Zustand. In der Form wie in der Farbe zeigten sich Veränderungen während des Trockenprozesses. Anfangs vermittelten die Häutchen in ihrem zarten Zitronengelb und dem reinen Weiß etwas Unberührtes, Leichtes. Obgleich sich ihr frischer Glanz mit zunehmendem Alter verlor, blieb eine gewisse Filigranität bestehen. Im Verlauf entwickelte ich aus den getrockneten Häutchen ein schuppiges, kernförmiges Geflecht - ein Objekt, welches ich in seinem Wesen erfassen wollte. Aufgrund seiner Oberfläche wirkte es leicht und zerbrechlich. Durch seine runde, geschlossene Grundform setzte ich der Zartheit etwas entgegen. Die aneinander gereihten Pomelohäutchen verliehen dem Objekt etwas Fließendes, Lebendiges. Es hatte den Anschein, als wolle es sich bewegen. So kam die Idee auf, das Wesen auf eine Reise zu schicken. In einem Koffer verstaut begann die Suche nach Orten, wo es Raum für seine Entfaltung finden konnte. Über das In-Beziehung-Setzten zu anderen Objekten traten o.g. Eigenschaften des Pomelo-Wesens verstärkt hervor. Seine Entdeckungstouren - festgehalten in Schwarz-Weiß-Fotografien – entspringen dem Koffer ähnlich wie Geschichten. Die ausgewählten Szenen zeigen das Wesen in seiner Eigen-Art, wie es in der Welt an die Dinge herangeht: neugierig, keck und unbedarft. Die Fotografien geben Spielraum für Gedanken. Wie sieht Begegnung zwischen dem Pomelo-Objekt und seiner Umwelt aus? Die Fotografien implizieren Fragen. Was verbirgt sich hinter dem dunklen Fenster, vor dem der Betrachter wie auch das Pomelo-Wesen steht? Die Fotografien verleiten zu Assoziationen. Mir war es ein Anliegen, dem Material der Pomelo, gebunden in einem Objekt, auf die Spur zu kommen. Davon ausgehend habe ich ein Wesen lebendig werden lassen und (s)eine Geschichte erzählt. Inwieweit ich die Fantasie des Betrachters anrege, eigene Bildergeschichten zu entwerfen, bleibt (zu h)offen.

 

 

 

ANNE KATHRIN KLUG

   Transformation" (2009) + Transformierte Oberfläche 1+2“ (2010) ,

   Farbdruck, Nähfaden und Wolle auf Leinstoff,

   85*66cm, 66*51cm und 65*50cm

Transformation Ist das wesentliche Stichwort welches meine Arbeiten auszeichnet. In meiner künstlerischen Arbeit beschäftige mich mit meiner eigenen Identität, im Besonderen mit der Erscheinung meines Gesichtes. Vor allem das Gesicht ist das bevorzugte Feld menschlicher Kommunikation und spielt im Wiedererkennen der Identifikation eines Menschen eine große Rolle. Im Zentrum meiner Werke steht jedoch nicht das realistische Abbild, sondern die Frage wie sich das eigene Selbstbildnis durch verschiedene Eingriffe des Nähens verändert. So wird das Gesicht, als Stellvertreter für die eigene Person überarbeitet. Durch meine Eingriffe am Ausgangsbild geschieht, in mehreren Schritten, eine Verwandlung und damit auch eine Distanzierung zur eigenen Persönlichkeit. Das Endergebnis zeigt ein verändertes Bild, worin meine Alltagsperson als nicht mehr unbedingt erkennbar ist. In meinen Bildern geht es demzufolge nicht nur um das vergegenwärtigen des eigenen Erscheinungsbildes, sondern auch um den Aspekt des „Sich Selbst fremd zu sein“ bzw. um den Umgang mit dem Fremden im eigenen Selbstbild.

Naht Die Naht legt sich nicht nur auf die Oberfläche, sie dringt in die Haut ein. Beim Nähen wird die symbolische Grenze zwischen Umwelt und innerer Welt durchstochen. Jeder Stich hinterlässt Spuren, so gräbt sich die Naht buchstäblich unter die Haut und verändert dabei ihre Oberfläche, was zu einem zusätzlichen Veränderungseffekten führt. Die Naht wird dabei zum Mittel um eine Verwandlung zu erzeugen, welche nicht nur an der Oberfläche stattfindet, sondern über die Körpergrenze hinaus geht.

Zeichnung Wenn man meine Bilder von weitem anschaut entsteht oft ein Eindruck von einer Zeichnung. Tatsächlich kann das Nähen eher dem zeichnen zu geordnet werden, da hier auch Linien (Nähte) nebeneinander und übereinander gesetzt werden, wodurch sich unterschiedliche Schraffuren bilden. Die eingesetzten Schraffuren orientieren sie an der Struktur des Gesichtes, also an seiner Form und seinen räumlichen „Strömungslinien“

Schmuck oder Schmerz Meine Auseinandersetzung mit der Übernähung des eigenen Gesichtes wurde häufig von sehr widersprüchlichen Gedanken begleitet, so sehe ich die Naht einerseits als einfach Linie oder sogar Verzierung auf meiner Gesichtsoberfläche, andererseits schwingt für mich vor allem in der Arbeit „Transformation“ gleichermaßen ein schmerzvoller Aspekt mit. Das Durchstechen der eigenen Haut ist jedoch notwendig um die gewünschte Verwandlung zu erzeugen.

Selbstbild In der Auseinandersetzung mit dem eigenen Abbild bin ich ständig in Kontakt mit den Gefühlen, die meine Vorgehensweise in mir auslösen. So kann ich im eigenen Bild Grenzen ausloten, über sie hinausgehen und dadurch zu vielseitigen ästhetischen Antworten kommen, wo ich in der Arbeit mit fremden Bildern schon längst nicht mehr weitergearbeitet hätte.

 

 

 

EVA MARIA KOCHHAN

   Ohne Titel, 2010

   Acryl auf Leinwand jeweils 130 x 130 cm

copyright 2010 Eva- Maria Kochhan
copyright 2010 Eva- Maria Kochhan

 

 

 

SONJA KOMOREK + MELANIE MÜLLER

   Kooperation

   Temporäre Rauminstallation

DIE SPUREN, WELCHE AN EINEM ORT ENTSTEHEN, SIND MEIST VON KURZER DAUER. Unsere Rauminstallation zeigt ein Archiv bestehend aus Boxen, die Fotos beinhalten. Die Fotos in den Boxen zeigen unsere Anwesenheit im Raum, die zum größten Teil aus einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Raum besteht. Temporär deshalb, da das Archiv unsere Anwesenheit im Raum von 28.4. – 30.07.10 markiert. Dies haben wir durch Datumsstempel auf den Boxen gekennzeichnet. Das Archiv wächst auch für die Dauer der Ausstellung und besteht am Ende aus 28 Boxen. Unsere Rauminstallation lebt von Handlungsangeboten an den Betrachter. Das wesentliche Angebot stellt das interaktive Archiv selbst dar, der Betrachter kann bestimmen welche und wie viele Boxen er aus dem Regal nimmt und durchschaut. Des weitern kann er die flexiblen Raumelemente im und vor dem Raum nutzen um zu verweilen. Die Bespielung des Raumes vollzieht sich auf weiteren Ebenen: An einer Wand des Raumes haben wir Transparentpapiere mit Datumsstempel angebracht. Diese Papiere stammen aus den Boxen (Schuhkartons). Ein weiteres Element stellt die Arbeit mit Schrift dar. Welche schon von außen erkennbar ist, da als fortlaufender Schriftzug an den Schaufenstern angebracht. Der Satz ist gleichzeitig Rahmen und Titel der Installation. Zwei Bücher, die eine Verschriftlichung unseres Prozesses zeigen, stellen einen weiteren Aspekt dar, diese stehen dem Betrachter zum Lesen zur Verfügung Der Betrachter wird aufgefordert sich mit dem Raum und somit auch mit sich selbst auseinander zusetzten. Lässt er sich auf unsere Angebote ein? Welche Stimmungen nimmt er auf? Erkennt er die Ästhetik des Raums? Welchen künstlerischen Wert misst er unserer Installation bei?

 

 

 

JULIANE KRETZER

   Connecting the room 2010

   Rauminstallation mit Kabel

copyright 2010 Juliane Kretzer "Connecting the room"
copyright 2010 Juliane Kretzer "Connecting the room"

 

 

 

IRENE LICHTENEGGER

   Schweißarbeit (2010)

   Eisendraht (verschweißt)

copyright 2010 Irene Lichtenegger "Schweißarbeit"
copyright 2010 Irene Lichtenegger "Schweißarbeit"

 

„Entstanden aus einer Konstruktionszeichnung.

In einem Wachstumsprozess ist Sie Überlebensgroß geworden.

Aus einem 25m langen Eisendrahtstück

von Hand geformt.

Sind die Verbindungslinien geschweißt …

Und nun steht sie da im Raum, sich selbst schweißend…“

die ausstellenden


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Mareike Bosch

Mylene Bünter

Sarah Czerniejewski

Esther Dannemann

Rafael Dudek

Daniela Egner

Kornelia Eßer

Nadine de Fries

Melanie Glaser

Jenny Gösche

Monique Günther

Veronika Hiesinger

Katrin Jansen

Anna Jacobi

Nadja Jakl

Giannina Kammer

Lisbeth Keller

Anne-Kathrin Klug

Eva-Maria Kochhan

Ramona König

Sonja Komorek

Juliane Kretzer

Irene Lichtenegger

 

hier klicken für --> M-Z

Anna-Katharina Magsig

Stella Möser

Sophia Mraz

Daniela Müller

Melanie Müller

Jens Neinhardt

Marianina Oberhagemann

Franziska Plath

Nina Raber

Gundars Ruf

Cornelia Scheu

Judith Schmitdke

Michael Schuch

Kaja-Zoe Schumacher

Simone-Ida Sixt

Björn Steins

Charlotte Stemmer

Agnes Stensik

Franziska Stumpf

Sarah Teske

Lucia Thanner

Gitta Wagner

Sarah Winter

Isabel Zondler